DAS ENDE IN SICHT: ÜBER BERUFSBEGLEITENDES STUDIEREN, ZUKUNFTSPLÄNE UND TRAUMJOBS

Sunday, April 29, 2018

Mich haben über Instagram und Co. immer wieder Fragen erreicht, was ich studiere, wieso ich abends auf der Uni sitze und wie es eigentlich ist, berufsbegleitend zu studieren. Seit zwei Jahren habe ich mir vorgenommen, dem Thema einen Beitrag zu widmen und habe es immer wieder aufgeschoben. Jetzt, wo ein Ende endlich so ein wenig in Sicht ist, möchte ich rückblickend festhalten, wie die letzten zwei Jahre so waren und was ich von meinem Studium an der FHWien der WKW halte. Zudem möchte ich endlich ein paar Worte zum Thema „Zukunftspläne“ und „Traumjobs“ teilen, die bereits lange Zeit niedergeschrieben werden wollten.

Traumjob finden durch StudiumMit 24 noch keine Zukunftspläne und keinen Traumjob?

Immer wieder im Leben zweifelt man an eigenen Talenten, Möglichkeiten und Träumen und opfert unzählige schlaflose Nächte, um einen Plan zu schmieden, der die Zukunft perfekt machen soll. Dieser endgültige Plan soll unsere Existenz sichern, uns glücklich, erfolgreich und ausgeglichen machen, genügend Finanzmittel für tolle Reisen und Zeit für unseren perfekten Lebenspartner bieten. Es ist nicht nur so, dass wir uns vornehmen, im XY Alter all dies zu erreichen. Unsere Gesellschaft, unsere Erziehung und der Druck von allen Seiten zwingen uns dazu, gelegentlich am Sinn des Lebens zu zweifeln und unser Dasein zu hinterfragen.

  • Was mache ich eigentlich mit meinem Leben?
  • Warum hat meine Freundin bereits mit 18 gewusst, welchen Lebenstraum sie verfolgen soll und ich stehe mit 24 oder 30 immer noch planlos da?
  • Gibt es einen Traumberuf und wie finde ich meinen?
  • Muss ich dafür studieren?
  • Was soll ich überhaupt studieren?

All diese Fragen beschäftigen zu einem oder mehreren bestimmten Zeitpunkten wahrscheinlich 99% von uns. Jene, die der 1% Gruppe angehören, hatten wahrscheinlich das Glück, dass sie bereits im sehr jungen Alter wussten, was sie machen möchten „wenn sie groß werden“.

Wir gehen allerdings alle davon aus, dass wir jederzeit einen Plan und das Leben im Griff haben müssen.

Zeitgleich wollen wir aber ein spontanes und abenteuerlustiges Leben haben. Und bevor wir überhaupt herausfinden können, was uns erfüllt und woran wir am meisten Spaß haben, sind wir bereits im Hamsterrad des Erfolgs gefangen und finden den Ausgang nicht mehr.Auf der Suche nach dem Traumjob

Man muss und kann nicht immer einen Plan haben: Selbst Optimisten dürfen Pessimisten sein

Ich bin ein positiver Mensch, der aus jeder Situation das Beste herausholen möchte und mit der Devise „Alles wird gut“ durchs Leben geht. Nichtdestotrotz gelangte ich mehrmals in eine Lebensphase, die meine Gedanken und mein Leben alles andere als positiv beeinflusste. Die letzten zwei, an die ich mich noch klar erinnern kann und welche miteinander verbunden waren, sind gerade einmal 3 Jahre her.

Die erste war nach dem Abschluss meines Bachelorstudiums Transkulturelle Kommunikation aka Übersetzen/Dolmetschen. Ich stand plötzlich mit einem Abschluss in der Hand da und war todunglücklich. Ich fragte mich, was ich mit meinem Diplom machen und wie ich einen Job finden sollte. Ich habe 3 Jahre in meine Ausbildung investiert und wollte den Beruf gar nicht ausüben. Ich wusste, dass ich auf keinen Fall den dazugehörigen Master inskribieren wollte, weil ich dadurch nur noch mehr Zeit verschwenden würde. Zeitgleich fühlte ich mich dazu gezwungen, möglichst schnell einen Plan zu schmieden und herauszufinden, was ich mit meiner Zukunft anstellen möchte. Durch Recherche und Gespräche mit Bekannten kam ich auf die Idee, das berufsbegleitende Masterstudium „Kommunikationsmanagement“ auf der FHWien der WKW zu inskribieren. Das Curriculum klang richtig cool und bei der nächsten Bewerbungsphase war ich schon hoffnungsvoll dabei. Für mich bedeutete die Bewerbung, dass ich mir möglichst schnell wirtschaftliches Wissen aneignen, den Aufnahmetest absolvieren und beim Interview beeindrucken musste. Pro Studiengang werden nur ca. 30 Studenten aufgenommen. Trotz Druck und Angst vor dem Versagen war die Einstellung positiv.

Nach dem Bewerbungsprozess wendete sich allerdings die Situation und ich steckte bereits in der zweiten Depri-Phase, die mich dazu zwang, wieder einmal alles in Frage zu stellen und an mir zu zweifeln. Ich hatte endlich einen Zukunftsplan und glaubte zu wissen, wie ich zu meinem Traumjob gelange, bekam allerdings keinen Studienplatz auf der FH, der mir die notwendige Ausbildung bieten würde. Es mag dramatisch klingen, aber für mich brach die ganze Welt zusammen und hatte das Gefühl, alle, mir inklusive, enttäuscht zu haben. Nach einigen Wochen Selbstzweifel und vielen schlaflosen Nächten war trotzdem der Beschluss da, mein zweites Glück zu versuchen und mich in einem Jahr wieder zu bewerben. Mir ist bewusst geworden, wie sehr es mir am Herzen lag, dieses Studium zu absolvieren und aufgeben kam nicht in Frage.  Die einzige Frage war, was ich bloß ein ganzes Jahr tun sollte, währen ich auf die nächste Bewerbungsphase wartete.Studieren Wien Kommunikationsmanagement FH Wien

Den Ausweg aus dem Hamsterrad finden und den eigenen Weg gehen

Obwohl ich anfangs gar nicht wusste, was ich mit meiner Zeit anfangen sollte, wurde mein Kalender sehr schnell voll. Ich hatte endlich Zeit für einen Spanischkurs, der lange auf meiner Liste stand. Zusätzlich konnte ich unserem Blog mehr Aufmerksamkeit widmen und wurde nach kürzester Zeit mit meinen Mädels Jungunternehmerin. Auch die Hochzeitsplanung war dran und ich konnte den Prozess genießen und mir genügend Zeit für die Vorbereitungen nehmen. Schnell habe ich begriffen, dass ich zwar immer noch gelegentlich traurig, aber in Wahrheit über alles glücklich und dankbar war, dass ich dieses eine Jahr für so viele Dinge nutzen und unglaublich viel erreichen konnte, als ich jemals für möglich hielt.

Rückblickend gesehen war es das Beste, was mir zu diesem Zeitpunkt hätte passieren können. Ich habe für mich gelernt, dass, egal wie schlimm eine Lebenssituation zu sein scheint, es immer einen Ausweg gibt und wir alles erreichen können, wenn wir ganz fest daran glauben und arbeiten. Ich habe mich nach einem Jahr erneut beworben und es hat geklappt. Natürlich hatte ich Zweifel und Angst, aber ich habe an meine Fähigkeiten und Ziele geglaubt und nicht aufgegeben. Und jetzt stehe bald mit meinem Abschluss da und weiß nicht, wie es weitergehen soll…aber am Weg habe ich noch etwas gelernt und zwar:

Man muss nicht immer einen Plan haben!

Das Ende in Sicht: Berufsbegleitend studieren an der FH Wien

Die letzten zwei Jahre sind wie im Flug vergangen. Obwohl es oft herausfordernd war, einen Job, unseren Blog, Freundschaften, meine Ehe und die FH unter ein Dach zu bringen, würde ich es auf keinen Fall anders machen. Ich habe hart dafür gekämpft und freue mich unglaublich, dass ich dieses Kapitel in meinem Leben abschließen und mich bald neuen Herausforderungen stellen kann.

 

Berufsbegleitendes Studieren ist alles andere als einfach und kann mit einem Vollzeitstudium gar nicht verglichen werden. Wer davor auf der Hauptuni studiert hat und ein „chilliges Leben“ neben dem Studium liebte, wird die FH eventuell hassen. Abends nach der Arbeit und samstags stundenlang in anwesendheitspflichtigen Seminaren sitzen sowie sonntags Gruppenarbeiten machen erfordert viel Geduld und bringt das Privatleben ein wenig durcheinander. Wer „Work-Life-Balance“ für wichtig hält, wird schnell herausfinden, dass sich bei einem berufsbegleitenden Studium alles um die „Work-FH-Balance“ dreht. The „good News“ is: Man gewöhnt sich daran.

 

Meine Einstellung mag insgesamt ziemlich negativ klingen, aber es ist keinesfalls meine Absicht, von einem berufsbegleitenden Studium abzuraten. Für mich war es die beste Entscheidung und eine unglaublich tolle Erfahrung. Ich habe viel gelernt, musste das eine oder andere Mal aus meiner Komfortzone heraus und durfte so viele wunderbare Menschen kennenlernen, die mich in vielen Hinsichten bereichert haben. Nichtdestotrotz finde ich es unglaublich wichtig, dass man sich im Vorhinein bewusst macht, welche Herausforderungen auf einen zukommen. Man muss zwar viele Kompromisse eingehen, aber man kann ohnehin alles schaffen, was man sich vornimmt und hart daran arbeitet. Abschließend habe ich einen Appell an alle, die an ihren eigenen Fähigkeiten zweifeln und Angst haben, nie ihren Traumjob zu finden oder gar einen Lebensplan zu haben:

Alles passiert aus mindestens einem Grund und selbst aus schlimmsten Ereignissen in unserem Leben können sich wundervolle Dinge entwickeln. Kopf hoch und alles wird gut. 🙂

Falls ihr Fragen habt oder mehr zu meinem Studium oder meinen Erfahrungen wissen wollte, hinterlasst mir gerne einen Kommentar! 🙂

Berufsbegleitend studieren Wien


ICH TRAGE:

ROCK: DIESEL //  TOP: H&M// SCHUHE: DIESEL // TASCHE: H&M


5 Responses
  • Theresa
    April 29, 2018

    Toller Beitrag! Solche Sorgen kenne ich nur zu gut. Ich werde demnächst mit meinem Bachelorstudium fertig und möchte jetzt auch einen anderen Weg einschlagen. Bei mir wird es wahrscheinlich ein zweiter Bachelorstudium 🙂

    Alles Liebe,
    Theresa
    http://www.theresadevienne.com

  • FAIRY TALE GONE REALISTIC
    April 30, 2018

    WOW! Was für ein interessanter und ehrlicher Beitrag! Ich finde es toll, dass du so authentisch erzählst, denn wir alle haben solche Phasen und Texte wie deiner zeigen, dass es uns wirklich allen so geht! Ich persönlich, habe momentan auch eine recht positive Einstellung nach dem Motto “Es wird schon alles werden” 😉
    Liebe Grüße
    Susanne

  • L♥ebe was ist
    April 30, 2018

    ohh meine liebe Timo, ich fühle so mit dir … sowohl was das Gefühl endlich das Ende zu erreichen, angeht, als auch die Sorgen um die Zukunft! aber es ist wirklich wie schreibst … man muss nicht immer einen ultimativen Plan haben. Pläne ändern sich und das ist gut so! und wenn man mal genau nachdenkt, ist das auch das spannende! ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es bei dir weitergeht!

    fühl dich geherzt und liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

  • Chantal
    May 2, 2018

    Toller Beitrag und schön, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst! Ich bin gerade in solch einer Phase und weiss nicht was ich genau machen möchte und bin 30:) aber hatte früh Kinder, die jedoch nach den Sommerferien beide den ganzen Tag in die Schule gehen und ich für mich nun eine neue herausforderne Arbeit suche:) Aber einen Plan habe ich noch nicht wirklich!
    Danke für deine Worte !x

    C.

    http://www.chantilia.com

  • NoraD
    May 23, 2018

    Finde ich Klasse wenn jemand sich so verwirklichen kann und die Moeglichkeiten hat und diese auch nutzt nebenberuflich zu studieren. Ist auch mein Bestreben, allerdings gebe ich zu, das ich zur passendene Universiaet noch nicht das passende Studium gefunden habe. Gibt ja auch so Kleinigekeiten wie die Finanzierung, Zukunftschancen usw. zu beachten

What do you think?

Your email address will not be published. Required fields are marked *