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STRESSBEDINGTE ANGSTZUSTÄNDE UND PANIKATTACKEN: EIN JAHR SPÄTER

Friday, November 17, 2017

Vor genau einem Jahr habe ich meinen bisher persönlichsten Beitrag geschrieben. Ich hatte damals lange überlegt, ob ich meinen gesundheitlichen Zustand mit der ganzen Welt teilen möchte und Gott sei Dank habe ich mich dafür entschieden, denn die Unterstützung, die ich von euch bekommen habe, hat mir unglaublich geholfen. Vielen Dank nochmals dafür!

Vor genau einem Jahr habe ich mich entschlossen, oder besser gesagt, mein Körper hat mich dazu gezwungen, meinen Lebensstil zu verändern. Panikattacken, Herzrasen, die Angst, keine Luft zu bekommen und Versagensangst wurden zum festen Bestandteil meines Alltags. Zunächst fing es am Abend an, als ich mich ins Bett legte und alleine mit meinen Gedanken war. Danach haben mich Schweißausbrüche und Herzrasen manchmal auch aus dem Schlaf gerissen. Aus manchmal wurden 2 -3 mal in der Woche. 2 – 3 mal die Woche wurden dann zu jeder Nacht. Ich konnte überhaupt nicht mehr schlafen.

Ernst genommen habe ich das Ganze aber erst, als ich in der U-Bahn, in der Arbeit oder sogar auf der Straße Herzrasen und Schweißausbrüche bekam, weil ich dachte ich würde ersticken. Erst dann wusste ich, ich musste etwas unternehmen. Wie ich erfahren habe, was mein Problem tatsächlich war, wie ich damit umging, inwieweit sich mein Leben dadurch verändert hat und wie es mir heute, ein Jahr später, geht, möchte ich jetzt mit euch teilen.

Das Problem erkennen und die Ursachen herausfinden

Das schwierigste ist es, sich einzugestehen, dass man doch nicht so stark ist, wie man denkt.

Dadurch ist es noch schwieriger zu erkennen, dass man ein ernst zu nehmendes Problem hat. Erst, als es dazu kam, dass ich aus der U-Bahn aussteigen musste, um Luft zu holen, weil ich dachte ich ersticke, habe ich mir selbst endlich eingestanden, dass ich herausfinden muss, was mit mir los ist. Denn es war nicht normal. Ich habe mit meinem Mann gesprochen und wir haben von Anfang an befürchtet, dass es stressbedingt sein könnte, da wir uns beide meines Lebensstils bewusst waren. Ich wollte jedoch zunächst sicher gehen, dass ich körperlich gesund war und habe daher meine Blutwerte und meine Schilddrüse checken lassen. Das Resultat: alles war in Ordnung. Meine Befürchtung hat sich als wahr erwiesen.

Nach den Ergebnissen wusste auch meine Ärztin, dass die Symptome auf Stress hindeuteten und fragte mich, wie mein Tag so aussieht. Nachdem ich ihr meinen normalen Tag geschildert hatte, fragte sie mich: “Und wann nimmst du dir denn Zeit für dich?”. Ich saß vor ihr und wusste nicht, was ich sagen soll. Ich war einfach sprachlos weil ich in dem Moment realisiert habe:

In meinem eigenen Leben gab es keine Zeit für mich.

Aber wie sollte ich diese Zeit finden? Neben der Arbeit, dem Studium, dem Blog und dem Haushalt hatte ich einfach keine Zeit übrig. Daraufhin hat mir die Ärztin gesagt: “Entweder du fängst an, Beruhigungsmittel zu nehmen, welche du dann wahrscheinlich dein ganzes Leben lang nehmen müsstest, um mit den Stresssituationen zurecht zu kommen oder du gibst eine Sache auf und nutzt die Zeit, um dich zu erholen und dich um dich selbst zu kümmern. Es liegt an dir. Willst du aber bereits mit 26 Beruhigungsmittel nehmen?”.

So bin ich nach Hause gegangen und habe überlegt, was ich tun sollte. Ich war an einem Punkt angekommen, an dem ich wusste, dass es so nicht weitergehen könnte, aber ich wusste auch nicht, wie es weitergehen sollte. Was wäre die richtige Entscheidung? Beruhigungsmittel wollte ich auf keinen Fall nehmen. Etwas aufgeben wollte ich aber auch nicht. Letztendlich habe ich mich doch für die zweite Lösung entschieden. Ich musste nur gut abwägen, welche Sache ich am einfachsten aufgeben könnte. Nach langem Überlegen habe ich mich letztendlich entschieden, mein Studium zu pausieren. Ich kann euch nicht beschreiben, was für ein Niederschlag das für mich war.

Zum ersten mal in meinem Leben habe ich etwas aufgegeben und das hat mich fertig gemacht. Ich dachte doch, ich könnte immer alles schaffen.

Als mich jemand nach meinem Studium fragte, wollte ich in den Boden versinken. Es dauerte ziemlich lange, bis ich realisiert habe, dass das eigentlich eine gute Entscheidung war.

Lernen, mit weniger Aufgaben zu leben

Es mag vielleicht lächerlich klingen, aber ich musste zuerst lernen, ohne so viele Aufgaben zu leben. Eigentlich denkt man sich immer: “Wenn ich jetzt Zeit hätte, würde ich dies und das tun.” Man hat tausend Ideen, wie man die Freizeit verbringen könnte. Wobei man in meinem Fall ja eigentlich auch nicht von viel Freizeit sprechen könnte, denn ich hatte trotzdem immer noch meinen regulären Job, meinen Blog und den Haushalt. Statt erst um 1 in der Früh, hatte ich so gegen 21 Uhr Feierabend. Für mich war das schon ganz toll :D.

Nur gab es dann ein klitzekleines Problem. Ich hatte vor dem Schlafengehen sonst nie Zeit für mich und jetzt musste ich erst einmal lernen, mit der Zeit umzugehen. Ich saß einfach da und wusste nicht, was ich tun sollte. Ich wurde unglaublich depressiv. Statt die Zeit aktiv für mich zu nutzen, saß ich einfach da und war gelangweilt.

Da ich es gewohnt war, alles nach Plan zu machen und mit nicht durchgeplanter Zeit so gar nicht zurecht kam, bin ich auf die Idee gekommen, meine Freizeit auch genau zu planen und in meinen Kalender einzutragen. Ich musste irgendwelche Hobbies oder Sachen finden, die mir helfen würden, mich auszuruhen. So begann ich, aktiv nach Sachen zu suchen, die mir Freude bereiten und mich beruhigen würden.

Gezielt Zeit für sich selbst finden

Langsam begann ich, das bisschen Freizeit, das ich hatte, sinnvoll zu nutzen. Mit den folgenden Sachen habe ich dann begonnen:

  1. Regelmäßiger ins Fitnessstudio gehen
  2. Gemeinsam mit der Timo einmal wöchentlich zu einem Meditationsabend gehen. Das Meditieren hat mir unglaublich geholfen, ruhiger zu werden. Am Anfang war ich sehr skeptisch und musste am Anfang der ersten Sitzung sogar lachen, weil ich dachte, dass es nur Unsinn ist. Im Laufe des Abends und vor allem mit der Zeit habe ich jedoch bemerkt, wie gut mir das wirklich tut.
  3. Sachen tun, die mich vom Alltag ablenken, wie z.B. Serien schauen. Ich weiß, für viele ist das Zeitverschwendung, aber Serien und Filme schauen hilft mir wirklich sehr, abzuschalten und mal nicht an meinen Alltag zu denken
  4. Mich mind. 1 mal in der Woche mit Freunden treffen
  5. Sonntags, wenn möglich, mein Handy weglegen und offline gehen. Dies ist jedoch nicht jeden Sonntag möglich (wie z.B. heute, wenn ich unterwegs bin oder etwas für den Blog tun muss). Mindestens 1 mal im Monat brauche ich das aber auf jeden Fall

Dies sind Sachen, die für viele Menschen selbstverständlich sind. Für mich ist das aber Luxus. An dieser Stelle möchte ich mich bei der Kaja und der Timo dafür bedanken, dass sie mich immer unterstützen und Verständnis haben, dass ich es wirklich brauche, mal offline zu gehen. Alleine würde ich es nie schaffen, neben meinem Job und anderen Dingen noch einen Blog zu führen. Danke, dass es euch gibt!

Wann sind die Panikattacken verschwunden? Sind sie überhaupt verschwunden?

Zuerst möchte ich euch die gute Nachricht verraten: Ja, die Panikattacken sind verschwunden. Gott sei Dank! Eine schlechte Nachricht habe ich jedoch auch: Es braucht viel, viel Zeit und Geduld. Es sind auch Narben geblieben, denn ich bin nicht mehr die selbe Person, die ich vor einem Jahr war. Inwiefern? Das erzähle ich euch sofort.

Einige Wochen ging es mir noch ganz schlecht. Da sich nichts veränderte, fragte ich mich, ob es mir jemals besser gehen würde. Ich war unglaublich depressiv und sah nichts Positives. Ich hörte sogar auf, zu Events zu gehen, da ich einfach keine Kraft hatte, mich mit Leuten zu unterhalten. Tatsächlich habe ich jedoch einfach nur eine Auszeit gebraucht, weil ich ausgelaugt war. Fast zwei Monate lang dauerte es, bis ich mich daran gewöhnte, weniger Aufgaben zu haben.

Langsam fing ich jedoch an, wieder durchzuschlafen. Mein größtes Problem war jedoch, dass ich mich in jeder freien Minute darauf konzentrierte, wie ich atme und hatte Angst, dass ich nicht genug Luft bekomme. Um von den Gedanken wegzukommen, musste ich mich irgendwie beschäftigen und meine Gedanken gezielt auf etwas anderes lenken. Es brauchte Monate, bis ich das in den Griff bekommen habe. Um ehrlich zu sein, kann ich nicht einen genauen Moment nennen, als es aufhörte. Irgendwann bin ich einfach draufgekommen, dass ich mich nicht erinnern konnte, wann ich das letzte Mal darüber nachdachte, ob ich genug Luft bekomme. Es ist einfach mit der Zeit verschwunden.

Ich weiß jedoch, dass es mir nich besser gehen würde, hätte ich nicht rechtzeitig auf die Bremse gedrückt. Und heute? Heute geht es mir Gott sei Dank ganz gut. Das Ganze hatte jedoch sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf mich.

Negativ ist, dass meine Stresstoleranz viel, viel niedriger geworden ist.

Positiv ist, dass ich endlich gelernt habe, dass es nichts Wichtigeres im Leben gibt, als die Gesundheit.
Ich habe gelernt, auf meinen Körper zu hören und auf die Bremse zu treten sobald mir alles zu viel wird. Ich habe gelernt, dass ich keine Maschine bin und nicht alles schaffen kann und muss. Und es ist auch gut so.
Ich habe gelernt, nein zu sagen, wenn ich etwas nicht tun kann und will.

Mit Stress Umgehen. Tipps

Photography – Patrick Sabo

Fazit

Leider erkennt der Mensch erst dann, dass er etwas im Leben verändern muss, wenn es viel zu spät ist. Für mich war es in diesem Sinne zu spät, dass mein Körper Stopp sagen musste, damit ich endlich auf die Bremse trete. Gott sei Dank habe ich mich jedoch rechtzeitig dazu entschlossen, etwas zu verändern, bevor sich noch schlimmere Konsequenzen ergaben.

Ich musste einige Sachen aufgeben, was mir sehr schwer fiel, aber jetzt kann ich sagen, dass es eine der besten Entscheidungen in meinem Leben war. Nur frage ich mich, was wäre, wenn ich es nicht getan hätte. Wäre es noch schlimmer geworden?

Nun interessiert es mich, ob irgendwer von euch die selben Erfahrungen hat(te). Wie seid ihr damit zurechtgekommen?

Ich freue mich auf eure Rückmeldungen und danke euch nochmals für die Unterstützung!

Author Box Sara Dadic

 

15 Responses
  • Jasmin
    November 19, 2017

    Hallo Sara,
    was für ein toller Beitrag!!! Du hast so recht mit dem, was du da schreibst. Leider hören wir oft erst auf unseren Körper, wenn es eigentlich vielleicht schon „zu spät“ ist bzw. er richtig Alarm schlägt. Ich selbst sollte mich auch mal wieder auf Wesentliches konzentrieren und Dinge abgeben oder sein lassen. Aber wie du ebenso schreibst, es ist verdammt hart zuzugeben, dass man nicht alles schafft :(. Mir zeigt mein Körper, dass es ihm zu viel wird, übrigens mit heftigen Migräneanfällen :(.
    Ich freu mich für dich, dass die Panikattacken überwunden sind, aber du hast bestimmt recht, das prägt sich ein und mal ist nicht mehr die selbe Person wie zuvor…

    Alles Liebe und bis bald,
    Jasmin

  • Abi
    November 19, 2017

    Woooawww girl, thanks a lot for the wonderful confidence, you empower many to be free and strong by sharing some experience in living with personal issues !!
    Keep it up and continue to enjoy your blessed after all what you passed through !!
    I’m incredibly proud of your decision of sharing your wonderful story
    Much love ❤️
    Abi

  • Moni
    November 21, 2017

    Für mich ist Angst eine wichtige Schutzfunktion, die zeigt: Jetzt ist eine Pause nötig. Es ist sehr schmerzhaft auf diese Art und Weise zu Veränderungen gezwungen zu werden, aber es kann einen auch zu einen auch zu einem schöneren Leben führen!

  • Alina
    November 21, 2017

    Ganz starker Beitrag – nimm dir die Zeit die du brauchst! Es gibt wirklich wichtigeres im Leben und ich bin froh, dass es dir bereits besser geht <3

    Manchmal muss man Schwächen zulassen um durch sie gestärkt zu werden <3

    xxx
    Alina
    https://www.theladies.at/

  • Andrea
    November 21, 2017

    Such cute photos and look!!

    https://justohana.blogspot.com.es

  • Carrie
    November 21, 2017

    Oh wow! Was für ein großartiger Beitrag zu einem ernsten Thema!
    http://carrieslifestyle.com

  • dieschattentaucherin
    November 21, 2017

    Liebe Sara,
    schön, dass Du den Mut hast, diesen Beitrag zu veröffentlichen!
    Und ich wünsche Dir sehr, dass es Dir auch weiterhin gut geht.

    Ich selbst werde mich vermutlich für den Rest meines Lebens mit wiederkehrenden Depressionen und gelegentlichen Panikattacken herumschlagen und habe ebenfalls lernen müssen, dass ich nicht alles stemmen kann, sondern kürzer treten muss. Sehr viel kürzer: Ich lebe mittlerweile sehr einsam auf einem Bauernhof. Das ist sicher nicht jedermanns Sache, aber ich komme hier gut klar.

    Dir alles Gute
    Iris

    • The Cosmopolitas
      November 23, 2017

      Liebe Iris, vielen, vielen Dank!

      Es tut mir sehr Leid, dass du mit Depressionen und Panikattacken kämpfen musst und hoffe, dass sie zur Gänze verschwinden werden :(.
      Ein einsames Leben auf einem Bauernhof ist sicher nicht jedermanns Sache, aber wenn dich das mit Ruhe und Frieden erfüllt, dann ist es wahrscheinlich das Beste für dich <3

      Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute und ganz viel Kraft!!!

  • Sylvie
    November 22, 2017

    Liebe Sara,
    ich habe gerade deinen tollen Beitrag und auch den ursprünglichen Beitrag vor einem Jahr gelesen. Um solch persönliche Themen zu teilen braucht man verdammt viel Stärke und ich bin so froh, dass du es gemacht hast. Nicht nur weil ich mich darin total wiedererkenne und gerne darin bestärkt werde 1. nicht alleine zu sein, sondern 2. dass es auch andere geschafft haben eine “Lösung” zu finden, sondern weil es wahrscheinlich etlichen anderen genauso geht wie mir.

    Girl, you rock.

    Love, Sylvie von http://www.miss-interpreted.com

  • Sandra
    November 22, 2017

    Liebe Sara,
    ich bin rein zufällig bei Instagram über deinen Artikel “gestolpert”. Dazu gehört viel Mut, so viel Persönliches von sich in der Öffentlichkeit preis zu geben. Ein wirklich sehr geschriebener Artikel. Mit diesem Problem bist du nicht allein. Zum Glück drückt sich das bei mir nicht in Panik Attacken aus. Ich kann schlecht schlafen, bin rastlos und finde meine innere Ruhe nicht. Zudem werde ich öfters krank. Meine Hausärztin hat es mir auch attestiert, dass es einfach eine Veranlagung ist. Der Wille/Ehrgeiz ist groß, aber die Nerven können einfach nicht mithalten. Man muss lernen, damit zu leben. Du bist auf einen guten Weg 🙂

    Liebe Grüße Sandra

  • Annie
    November 27, 2017

    Thank you so much for opening up in this post. You are much stronger and braver than you realize! You are right in saying that sometimes we need to give something up (or at least put it on pause) so we can focus and recuperate on other aspects of our lives. I hope that you will continue to grow stronger in combatting all your stresses in life, as you learn to live for YOU! You can do it because you are amazing!!

    XOXO
    Annie

  • Chantal
    December 11, 2017

    Toller und lehrreicher Beitrag! Mich plagen manchmal die Gedanken, dass ich zu wenig mache und nich könnte doch mehr machen und habe das schlechte Gewissen immer in den Hintergedanken. Da ich nun 2fache Mama bin und ein wenig arbeite ist ok, aber habe manchmal das Gefühl ich muss doch den ganzen Tag arbeiten, aber eben alles geht nicht und merkte dies auch an meinem Körper und hatte so ein beängendes Gefühl und hohen Blutdruck. Als ich mit meiner Ärztin darüber gesprochen habe, hatte sie auch gesagt, es sei ganz wichtig, dass ich für mich was mache nebst Haushalt, Kinder, Buchhaltung. Und so gestalt ich nun auch meinen Alltag! Du bist also nicht alleine und bin froh, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst! Schön, dass es dir besser geht <3 alles Liebe,

    http://www.chantilia.com

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