“UND WAS MACHST DU IM ECHTEN LEBEN?” | JA, BLOGGEN IST TATSÄCHLICH EIN ECHTER JOB: EINE KLEINE ERKLÄRUNG

Wednesday, November 14, 2018

“Und? Was machst du so im richtigen Leben?” Im Moment des Schocks, nicht realisierend, was ich da gefragt wurde, machte ich mich unüberlegt sogar noch kleiner und antwortete: “Ach, nichts spannendes. Ich arbeite noch Teilzeit als Buchhalterin in einem Immobilienunternehmen.” Wieso kommen die richtigen Worte nie in dem Moment, wenn man sie braucht? Erst später realisierte ich die Frage und ärgerte mich über mich selbst und meine naive Antwort.

Das ist jedoch nicht das erste mal, dass ich mit der Meinung “Bloggen sei kein richtiger Job” konfrontiert werde. Die Meinung, dass man sich einfach für 5 Minuten vor die Kamera stellt, ein paar Fotos macht und das Riesengeld dafür kassiert, ist leider noch ziemlich stark verbreitet. Viele haben leider keinen Einblick hinter die Kulissen und sehen nur das Endresultat auf dem Blog oder auf Instagram. “Ach, sie steht ja nur da und lächelt :). Das kann ich ja auch.”

Wie viel Arbeit tatsächlich dahintersteckt, wissen nur wenige. Deswegen  möchte ich euch heute einen kleinen Einblick geben, wie ein (bezahlter) Blogbeitrag oder ein Instagram Posting entsteht, welche Aufgaben das Ganze mit sich bringt und vor allem, wie und wann es dazu kommt, dass man mit dieser Arbeit dann tatsächlich Geld verdienen kann. 


Wieso ist das Bloggen ein richtiger Job?

Irgendwie ist es merkwürdig, diese Frage überhaupt gestellt zu bekommen. Genauso könnte ich fragen: “Wieso ist Modeln ein richtiger Job?” Model, Fotograf, Schriftsteller, Journalist usw. sein wird als tatsächlicher Job angesehen, aber das Bloggen nicht. Wieso? Ich frage mich manchmal, was sich manche Personen darunter überhaupt vorstellen? Ich kann es einfach nicht verstehen. 

Das Bloggen ist tatsächlich ein ziemlich komplexer Job und besteht aus vielen Teilbereichen. Als Blogger muss man gleichzeitig mehrere Tätigkeiten ausüben können, wie z.B.:

Erstens eine Kamera bedienen können, Fotos bearbeiten (alles, was ein Fotograf bei seinem “richtigen” Job macht), Social Media Management für sich selbst machen (wenn man es als Angestellte für ein Unternehmen macht, wird das als tatsächlicher Job angesehen), administrative Tätigkeiten ausführen (alles, was eine Assistentin in einem Unternehmen machen muss), Blogbeiträge schreiben usw. usw. usw.


Ja, der Schein trügt manchmal

Ich verstehe es, dass einem nur die perfekten Seiten vorgestellt werden. In irgendeiner Art und Weise kann ich es mir vorstellen, dass sich manche denken: “Ach, sie geht ja immer nur schön essen, reist um die Welt, kauft sich teure Klamotten, zeigt das der Welt und verdient noch Geld damit.” 
Das, was man auf Instagram sieht, ist aber nur das Endresultat.

Nehmen wir mal an, ihr seht auf Instagram ein Foto, das als Werbung gekennzeichnet ist. Eine Bloggerin sitzt vor dem Spiegel in einem schönen Hotelzimmer und präsentiert ein Produkt. Wir wissen, dass sie für dieses Foto bezahlt wurde.


Wie viel Arbeit steckt jetzt hinter diesem Foto?

Wenn man eine Zusammenarbeit mit einem Unternehmen hat, steht viel mehr dahinter als einfach nur ein schönes Foto machen. Hinter einem Foto kann leicht so viel Arbeit stehen:

  1. Damit das Foto bezahlt wird, kann es sein, dass die Bloggerin/Instagrammerin tagelang verschiedene Unternehmen angeschrieben hat, in der Hoffnung, eine Zusammenarbeit zu bekommen.
  2. Um die Unternehmen überhaupt anzuschreiben, muss sie sich selbst und ihre Arbeit dem Unternehmen präsentieren.
  3. Hat sie ein interessiertes Unternehmen gefunden, kommt es oft zu einem stundenlangen E-Mail Verkehr.
  4. Sie muss ein Konzept erstellen, wie sie das Produkt gut vorstellen kann.
  5. Gefällt dem Unternehmen das Konzept, dann geht es in die Umsetzungsphase.
  6. Einen Fotografen suchen und finden.
  7. Eine Location finden. Wenn es z.B. ein Hotelzimmer sein soll, geht die Phase 1-3 wieder von vorne. Ein Hotel finden, welches ein Zimmer zur Verfügung stellen möchte, E-Mail Verkehr usw. usw.
  8. Passende Klamotten und Accessoires für das Foto finden.
  9. Zur Location gehen, die Location für die Fotos vorbereiten (z.B. den Tisch arrangieren), sich fertig machen (Haare, Make-Up).
  10. Die Fotos machen. Es kann auch einige Stunden dauern, bis sie endlich ein paar gute Fotos hat.
  11. Die Fotos bearbeiten (außer der Fotograf macht es).
  12. Die Fotos dem Unternehmen zur Durchsicht schicken. 
  13. Wenn die Fotos dem Unternehmen doch nicht gefallen, dann muss sie wieder alles von vorne machen.
  14. Wenn die Fotos endlich passen, dann muss sie diese auf Instagram hochladen, passende Hashtags suchen, die Caption zusammenstellen (was manchmal ziemlich aufwendig sein kann, wenn das Unternehmen bestimmte Vorstellungen davon hat, welche Informationen in der Caption vermittelt werden sollen.
  15. Wenn das Foto hochgeladen ist, auf Kommentare antworten usw. usw.

Und damit es überhaupt zu einer Zusammenarbeit kommen kann, muss die Bloggerin/Instagrammerin dem Unternehmen zeigen, wieso es sich für dieses überhaupt auszahlt, mit ihr zusammenzuarbeiten. Ein Argument wäre z.B. die Followerzahl. Und diese Follower kommen nicht über Nacht. Es dauert oft Jahre konsequenter Content-Erstellung, bis die Follower überhaupt kommen. Und das ist ein sehr wichtiger Punkt, der einfach übersehen wird.

Sieht es immer noch so aus, als würde sie sich nur 5 Minuten für das Foto hinstellen und Geld damit kassieren? 


Wie entsteht ein Blogbeitrag?

All diese Aufgaben, die für ein Instagram Posting gemacht werden müssen, müssen auch bei einem Blogbeitrag gemacht werden, nur kommt hier noch viel mehr zusätzliche Arbeit hinzu, wie z.B.:

  1. Sich ein Thema für den Beitrag überlegen, den Text schreiben, formatieren usw., was leicht 4 – 5 Stunden in Anspruch nehmen kann.
  2. Die Fotos für die Website optimieren.
  3. Fotos hochladen, passend einfügen, Collagen erstellen falls notwendig
  4. Den Beitrag in den sozialen Medien teilen, damit ihn die Leute überhaupt sehen können.
  5. Und vieles mehr, und vieles mehr….

Wie lange dauert es, bis man für seine Arbeit bezahlt wird?

Ich nehme uns diesmal hier als Beispiel. Wir haben mit dem Bloggen zunächst als Hobby angefangen. Wir haben einen Instagram Account erstellt und von Zeit zu Zeit Fotos gepostet, so 1 – 2 in der Woche. Irgendwann waren wir ziemlich verzweifelt, da wir immer noch so gut wie keine Follower hatten. An Geld haben wir damals überhaupt nicht gedacht. Wir hatten keine Ahnung, dass man damit überhaupt Geld verdienen kann.

Dann haben wir uns mit dem Thema immer mehr beschäftigt, uns angeschaut, wie die anderen es machen und dann ist es uns aufgefallen, dass diejenigen, die erfolgreich sind, jeden Tag Fotos posten. Aber wann sollen wir denn bitte die Zeit finden, um jeden Tag Fotos parat zu haben, wenn wir arbeiten und studieren? Keine Ahnung! Zu dem Zeitpunkt war schon ein Jahr um. 

Dann haben wir einen Plan erstellt, wie wir es schaffen, jeden Tag Fotos zu posten. Manchmal kamen natürlich auch Zweifel, ob es sich überhaupt lohnt. Die Konkurrenz ist riesig und schläft nie. Trotzdem haben wir weitergemacht, weil wir der Welt einfach zeigen wollten, was wir gerne tragen und wir wollten auch unsere Interessen mit der Welt teilen.

Nach ca. 1 Jahr bekamen wir das erste Geschenk zugeschickt. Das erste Geld kam erst nach ca. 2 Jahren, als wir endlich auf über 10.000 Follower auf Instagram gestiegen sind. Das waren aber auch nicht Summen, von denen wir leben könnten.

Es ist also nicht so, dass man einfach ein Foto auf Instagram postet und dafür gleich bezahlt wird. Es bringt viel Arbeit mit sich und vor allem viel Geduld.

Ich hoffe, dass ich euch einen kleinen Einblick in das “richtige Blogger-Leben” geben konnte :).


Author Box Sara Dadic
Bloggen als Job ein Einblick

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